Sonntag, 13. Oktober 2013

Wettbewerbsrechtliche Groteske

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Hubert Burda fordert, dass die Europäische Kommission härter gegen den Kartell-Verstoß vorgeht

Im laufenden EU-Kartellverfahren gegen Google zeichnen sich neue Entwicklungen ab: Der Internet-Konzern legte überarbeitete Vorschläge zur Beilegung des Verfahrens vor. In einer Stellungnahme bezeichnet VDZ-Präsident Hubert Burda diese als unzureichend. „Sollte die Europäische Kommission Googles Vorschläge tatsächlich billigen, wäre das der Freibrief für den Missbrauch eines digitalen Monopols."

Insbesondere die von Google vorgeschlagene neue Darstellung von Konkurrenzangeboten führe das EU-Wettbewerbsrecht ad absurdum. So behielte Google die Freiheit, eigene Dienste - entsprechend gekennzeichnet - an erster Stelle zu positionieren, während Konkurrenten für eine weniger prominente Darstellung weiterhin bieten müssten. „Statt für ‚Fair Search' zu sorgen", so Burda, „würde es Wettbewerbskommissar Almunia zulassen, dass Google die Suchergebnisse weiterhin im Eigeninteresse sortieren kann. Es wäre eine wettbewerbsrechtliche Groteske, wenn die Kommission diesen Missbrauch eines Monopols nicht beseitigen, sondern sogar legalisieren würde."

Burda nimmt daher die EU-Kommission in die Pflicht: „Fairen Wettbewerb wird es in der digitalen Welt nur geben, wenn ‚Fair Search' gewährleistet ist und Google seine eigenen Angebote nicht willkürlich bevorzugen darf. Wir rufen die Europäische Kommission daher erneut auf, das Verfahren konsequent weiterzuführen."

Das seit 2010 anhängige Verfahren dreht sich vor allem um die Frage, ob Google seine marktbeherrschende Stellung von ca. 90 Prozent im europäischen Suchmaschinenmarkt ausnutzt, um die eigenen Angebote bei der Darstellung von Suchergebnissen bevorzugt zu behandeln und Konkurrenten damit zu behindern.


Donnerstag, 10. Oktober 2013

HuffPo-Team zu Besuch bei Hubert Burda

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Hubert Burda begrüßte gestern in München Arianna Huffington und Anchorman Cherno Jobatey

Die deutschsprachige Huffington Post ist ab sofort unter www.huffingtonpost.de online. HuffPo-Gründerin Arianna Huffington hat den „Red Button" gemeinsam mit dem designierten Chefredakteur Sebastian Matthes und dem frisch ernannten Anchorman und bekannten TV-Moderator Cherno Jobatey gedrückt. „Wir wollen unseren Lesern die besten Inhalte, die das Internet zu bieten hat, zugänglich machen", so Huffington bei der offiziellen Pressekonferenz. Matthes betonte: „Die US-HuffPo ist mit fünf Leuten gestartet, wir starten mit 15 Leuten, da ist also gleich zu Beginn einiges möglich."

Schon gestern Abend begrüßte Verleger Dr. Hubert Burda die einflussreiche Amerikanerin, ihr amerikanisches HuffPo-Team und die Macher der deutschen Ausgabe vorab zu einem privaten Dinner in München. „Sie gilt als das Symbol für Kommunikation", so Hubert Burda in seiner Ansprache, der auf die damals 28-jährige Journalistin schon 1978 in seiner Zeit als Bunte-Chefredakteur aufmerksam geworden war. Damals veröffentlichte Arianna Stassinopoulos Artikel im New Yorker über berühmte Persönlichkeiten. Später, 2003, hat sie sich ihren „journalistischen Traum" erfüllt, eine „Plattform für tausende von Stimmen der Gesellschaft zu schaffen", wie Arianna Huffington heute erzählt. Cherno Jobatey, der Anchorman der deutschen HuffPo, freut sich auf eine „neue Farbe in der deutschen Medienwelt" und darauf den „Menschen endlich die Inhalte zu bieten, die sie wirklich interessieren und lesen wollen"

Die deutschsprachige Ausgabe entsteht in Kooperation zwischen der Huffington Post Media Group und der Tomorrow Focus AG und geht in Deutschland zunächst mit einem 15-köpfigen Team am Münchner Redaktionssitz Neumarkter Straße an den Start. Weltweit arbeiten 700 festangestellte bezahlte Redakteure für die HuffPo, insgesamt 50.000 freiwillige Blogger und Autoren tragen zu den Inhalten bei. Mehrere tausend Blogger wollen sich an der deutschsprachigen Ausgabe beteiligen, um ihrer Expertise ein Forum zu verschaffen. 60 Experten können zum Launch veröffentlichen.

Arianna Huffington, Präsidentin und Chefredakteurin der Huffington Post Media Group: "Wir freuen uns sehr, dass wir die deutsche Ausgabe als neues Mitglied in die HuffPost-Familie aufnehmen können. Mit TOMORROW FOCUS steht uns ein Partner zur Seite, der schon sehr viel dazu beigetragen hat, die Zukunft der digitalen Medien in Deutschland zu gestalten."

Zunächst ist das Angebot der Huffington Post in sechs Ressorts (Politik, Wirtschaft, News, Entertainment, Lifestyle und Tech) aufgeteilt. Wie bei der amerikanischen Ausgabe gliedert sich das Layout der Huffington Post-Webseite in drei Spalten. In der mittleren und rechten Spalte laufen die Beiträge der Redaktion. In der linken Spalte, den sogenannten Featured Blog Posts, stehen vornehmlich die Beiträge von Gastautoren und Experten. Die Huffington Post lädt alle Leser ein, sich an der Plattform mit eigenen Texten zu beteiligen.

Als Editorial Director, also eine Art „Anchorman" der HuffPo konnten die HuffPo-Macher TV-Journalist Cherno Jobatey verpflichten. Auch er ist über DLD Burda schon lange verbunden. Jobatey begann seine Karriere als freier Journalist für "taz", "Die Zeit" und den "Spiegel". Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde er durch das ZDF-Morgenmagazin, das er 20 Jahre lang moderierte und prägte. Zusätzlich produziert und moderiert er seit zwei Jahren das Online-Format "UdLDigital Talkshow". Er empfängt hier führende Bundespolitiker (z. B. Frank-Walter Steinmeier, Ursula von der Leyen, Hans-Peter Friedrich), dazu Blogger, Hacker und Experten. Jobatey trägt mit Kolumnen zur Huffington Post bei und kümmert sich vor allem um den Ausbau des Autoren-Netzwerkes.

Arianna Huffington: "Mit Cherno Jobatey als Editorial Director wird die deutsche Ausgabe die interessantesten Geschichten in diesem Land erzählen und - was mindestens genauso wichtig ist - die Deutschen dabei unterstützen, ihre eigenen Geschichten zu erzählen. Sie nehmen Teil an Konversationen verschiedenster Art: Von den Auswirkungen der Eurokrise auf die Menschen bis hin zu der Art und Weise, wie Individuen und Organisationen Erfolg neu definieren können und Burn-out bekämpfen können. Wir bieten außerordentliche Möglichkeiten, diesen Dialog auszubauen und zu verbessern, indem wir die Erfahrung und Kompetenz unserer Partner mit der Kraft unserer HuffPost-Plattform verbinden."

Als Chefredakteur steigt Sebastian Matthes baldmöglichst ins Boot, der derzeit noch als Ressortleiter Technik und Wissenschaft bei der Wirtschaftswoche fungiert. Der Politologe und Volkswirt ist Absolvent der Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten und schrieb schon für "Handelsblatt", "Spiegel" und "Neue Zürcher Zeitung". Der 36-jährige bloggt selbst unter Ungedruckt.net und wird von über 5000 Followern bei Twitter gelesen.

Zum Launch schreiben für die deutschsprachige Huffington Post u. a. Vorstandschefs wie René Obermann (Deutsche Telekom) und Kasper Rorsted (Henkel), Foodwatch-Chef Thilo Bode, der ehemalige Tennis-Profi Boris Becker, Prof. Wolfgang Hünnekens vom Institute of Electronic Business und der Strafrechtler Prof. Dr. Heinz Schöch, Unternehmer Franz M. Haniel, Investor Nicolas Berggruen, Politiker wie Ursula von der Leyen (CDU), Dorothee Bär (CSU) und Jimmy Schulz (FDP), Sky-Filmchef Marcus Ammon, Schauspielerinnen wie Miriam Pielhau, Jutta Speidel und Uschi Glas. Zu den Gastautoren gehören außerdem bekannte deutsche Blogger wie u. a. Johannes Lenz, Karsten Lohmeyer, Romy Mlinzk, Sascha Pallenberg oder Thilo Specht.

Die Ziele des schon im Vorfeld mit hitzigen Debatten begleiteten Projekts sind ambitioniert: "Wir wollen spätestens im Jahr 2016 profitabel sein und möchten nach fünf Jahren die Flughöhe erreicht haben, die Focus Online jetzt hat: 10 bis 15 Millionen Euro Nettoumsatz, zweistellige Umsatzrendite und circa 9 Millionen Unique User", so Christoph Schuh, Vorstand Tomorrow Focus. Den Reichweitenaufbau soll vor allen Dingen eine enge Kooperation mit Focus Online sicherstellen. Oliver Eckert, Geschäftsführer Tomorrow Focus Media: "Wir haben bei anderen Angeboten wie Holidaycheck und Finanzen100 sehr gute Erfahrungen damit gemacht, Focus Online als Reichweitenbringer einzusetzen. Das machen wir diesmal auch."